Stromverteilung: Sicherungskasten richtig planen

Wie du deinen Sicherungskasten richtig planst und bestückst – von der Hauptverteilung bis zu einzelnen Stromkreisen. Normgerecht nach VDE 0100.

Stromverteilung: Sicherungskasten richtig planen

Die Stromverteilungsanlage ist das Herzstück jeder Elektroinstallation. Sie verteilt den Strom sicher auf alle Verbraucher im Haus und schützt gleichzeitig Leitungen und Personen. Dieser Leitfaden erklärt, was du als Bauherr oder DIY-Interessierter über Verteileranlagen wissen musst.

Was ist eine Stromverteilungsanlage?

Eine Stromverteilungsanlage (auch Hauptverteilung oder Sicherungskasten genannt) nimmt den Zuzugsstrom aus dem Netz und verteilt ihn auf mehrere Stromkreise. Jeder Stromkreis ist durch eine Schutzeinrichtung (Sicherung) geschützt.

Zählerhaus → Hauptverteilung → Einzelne Stromkreise → Verbraucher

Die Hauptverteilung besteht aus:

  • Hauptschalter (oder Leitungsschutzschalter)
  • Überspannungsschutz
  • RCD/FI-Schutzschalter für FI-Gruppen
  • Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) pro Stromkreis
Stromkreise richtig planen

Nach VDE 0100-100 müssen Stromkreise so gewählt werden, dass die Verwendungszwecke der Räume und die Anzahl der Stromkreise berücksichtigt werden.

Empfohlene Stromkreise für ein Einfamilienhaus
Stromkreis Leitung Schutz Verwendung
1 1,5 mm² 16A LS Beleuchtung OG
2 1,5 mm² 16A LS Beleuchtung EG
3 2,5 mm² 16A LS + FI Steckdosen EG Küche
4 2,5 mm² 16A LS + FI Steckdosen EG Wohnen
5 2,5 mm² 16A LS + FI Steckdosen EG Flur
6 2,5 mm² 16A LS + FI Steckdosen OG Wohnen
7 2,5 mm² 16A LS + FI Steckdosen OG Schlafräume
8 2,5 mm² 16A LS + FI Steckdosen OG Flur/Bad
9 2,5 mm² 16A LS + FI Außensteckdosen
10 6 mm² 32A LS E-Herd / Induktionskochfeld
11 6 mm² 32A LS Elektro-Heizung
12 6 mm² 25A LS Wärmepumpe / Durchlauferhitzer
13 2,5 mm² 16A LS + FI Hauswirtschaft / Garage
14 2,5 mm² 16A LS + FI Smart Home / IT

⚠️ Wichtig: Die genaue Dimensionierung muss immer von einem Elektrofachbetrieb vorgenommen werden. Dieser Leitfaden dient der Orientierung.

FI-Schutzschalter (RCD) – Pflicht seit 2018

Seit der Neufassung der DIN VDE 0100-100:2018-06 sind FI-Schutzschalter in fast allen Bereichen Pflicht:

  • Alle Steckdosen bis 32 A in Räumen, in denen Personen durch elektrischen Strom gefährdet werden können
  • Außensteckdosen – unabhängig vom Anschlussstrom
  • Steckdosen in Räumen mit Badewanne oder Dusche
  • Steckdosen in Räumen, in denen Geräte der Klasse I betrieben werden
FI-Typen im Überblick
Typ Auslösecharakteristik Einsatzgebiet
Typ A AC- und pulsierende Gleichströme Waschmaschine, Geschirrspüler
Typ B AC, pulsierende und geglättete DC PV-Anlagen, Frequenzumrichter
Typ F Wie Typ A + Frequenzwechselströme Wärmepumpen, LED-Beleuchtung
Typ S (verzögert) Selektiver FI mit 110-130ms Verzögerung Hauptverteilung, vorgelagert
Typ B+ Wie Typ B + Restrißfehlerströme Moderne PV + Speicher
Überspannungsschutz

Elektrische Anlagen müssen gegen Überspannungen geschützt werden. Das betrifft:

  • Blitzüberspannungen (Typ 1/2)
  • Schaltüberspannungen (Typ 3)

Für Einfamilienhäuser ist in der Regel ein Typ-2-Überspannungsschutz ausreichend. Dieser wird zwischen Zähler und Hauptverteilung installiert.

Leiterquerschnitt bestimmen

Der Leiterquerschnitt hängt ab von:

  1. Nennstrom des Stromkreises
  2. Verlegeart (in Wand, im Kabelkanal, im Erdreich)
  3. KabeTyp (NYY, NAY, H07V-K)
  4. Länge (Spannungsabfall prüfen!)
Faustregel für Kupferleitungen (230V)
Leitungsschutzschalter Min. Querschnitt Max. Länge (1,5mm²) Max. Länge (2,5mm²)
10A 1,0 mm² 145m 240m
16A 1,5 mm² 85m 145m
20A 1,5 mm² 85m 145m
25A 2,5 mm² 145m
32A 4,0 mm² 85m
40A 6,0 mm² 55m

Spannungsabfall max. 3% bei Stromkreisen, 5% insgesamt.

Verteilerarten Unterputz-Verteiler
  • In die Wand eingelassen
  • Schöne Optik, aber baulicher Aufwand
  • Typisch für moderne Neubauten
Aufputz-Verteiler
  • Auf der Wand montiert
  • Einfache Installation, auch nachträglich
  • Oft im Keller oder Technikraum
Kombinationsschrank
  • Freistehend
  • Für große Verteilungen (>24 Module)
  • Mit Kabeldurchführung unten oder oben
Worauf du achten solltest
  • Modulares System: Wähle ein etabliertes System (Hager, ABB, Siemens, Schneider Electric)
  • Modulzahl: Immer 20-30% Reserve für Erweiterungen einplanen
  • Beschriftung: Klare Stromkreisbezeichnungen (z.B. „Steckdosen EG Küche“)
  • FI-Gruppierung: Nicht alle Steckdosen auf einen FI – sonst fällt bei einem Fehler alles aus
  • Sichtbarkeit: Verteiler muss jederzeit zugänglich sein (keine versteckten Türen!)
FAQ

Muss ich einen Elektrofachbetrieb beauftragen? Ja. Das Inbetriebnehmen einer elektrischen Anlage darf nur von einer Elektrofachfirma durchgeführt werden (§13 ELD). Vorherige Planung und Vorbereitung (Kabel verlegen, Dosen einbauen) darf jeder selbst machen.

Wie oft muss der FI-Testknopf gedrückt werden? Mindestens einmal im Monat. Drücke den Testknopf (⏻) – der Schutzschalter muss sofort auslösen.

Was tun bei häufigen Auslösungen? Prüfe, ob zu viele Verbraucher am selben Stromkreis hängen. Bei wiederholtem Auslösen eines FI kann ein Defekt vorliegen – Elektrofachbetrieb hinzuziehen.


Quellen: VDE 0100-100, DIN VDE 0100-410, DGNB-Leitfaden Elektroinstallation, BauNetz Wissen Elektro

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Unser Leitfaden ersetzt keine Beratung durch einen Elektrofachbetrieb. Bei konkreten Fragen helfen wir gerne weiter.

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