FI-Schutzschalter: So funktioniert der Personenschutz

Alles über FI-Schutzschalter: Typen, Installation, Test und was du als Bauherr wissen musst. Der komplette Guide.

FI-Schutzschalter: So funktioniert der Personenschutz

Der FI-Schutzschalter (auch RCD = Residual Current Device) ist die wichtigste Sicherheitsvorkehrung gegen elektrischen Stromschlag. Seit 2018 ist er in nahezu allen Bereichen Pflicht.

Wie funktioniert ein FI-Schutzschalter?

Ein FI vergleicht den Strom, der durch den Phase-Leiter fließt, mit dem Strom im Nullleiter. Bei einer Differenz (z.B. weil jemand Strom über den Körper zur Erde ableitet) löst der FI innerhalb von ms aus.

Phase ──→ [FI] ──→ Verbraucher
Nullleiter ←── [FI] ←── Verbraucher

Differenz > 30mA → FI löst aus!
FI-Typen im Detail Typ AC (Standard)
  • Reagiert auf sinusförmige Wechselströme
  • Der klassische FI
  • Pflicht für die meisten Steckdosen
Typ A ( pulsierender Gleichstrom)
  • Wie Typ AC, aber auch pulsierende Gleichströme
  • Für Waschmaschinen, Geschirrspüler, Wärmepumpen
  • Seit 2023 in vielen Fällen Pflicht
Typ F (Frequenzwechselströme)
  • Wie Typ A, zusätzlich Frequenzwechselströme
  • Für LED-Beleuchtung, dimmbare Leuchten
  • Ab 2024 zunehmend gefordert
Typ B (geglätteter Gleichstrom)
  • Für PV-Anlagen, Frequenzumrichter
  • Misst auch geglättete Gleichströme
  • Notwendig bei Batteriespeichern
Typ B+ (erweitert)
  • Typ B plus Schutz vor Restrißfehlerströmen
  • Für moderne PV-Anlagen mit Wechselrichter
FI-Gruppierung – So richtest du es richtig ein

Schlechtes Beispiel:

  • Alle 20 Steckdosen im Haus auf einen FI
  • → Bei einem Fehler: Alles dunkel

Gutes Beispiel:

  • FI 1: Steckdosen EG Küche (3-4 Stromkreise)
  • FI 2: Steckdosen EG Wohnen/Flur (3-4 Stromkreise)
  • FI 3: Steckdosen OG (4-5 Stromkreise)
  • FI 4: Außensteckdosen
  • FI 5: Bad, Hauswirtschaft
Installationsschema
Zähler → Hauptsicherung → ÜSS → FI-Gruppen → LS-Schalter
  1. Zähler (vom Netzbetreiber)
  2. Hauptsicherung (LS-Schalter oder NH-Sicherung)
  3. Überspannungsschutz (Typ 2)
  4. FI-Schutzschalter (Typ A/F/B+ je nach Anwendung)
  5. LS-Schalter pro Stromkreis
Testpflicht

Der FI muss regelmäßig getestet werden:

Monatlicher Test
  1. FI-Einschalten (Schalter auf ON)
  2. Testknopf (T oder ⏻) drücken
  3. FI muss sofort auslösen (Schalter springt zurück)
  4. Bei Auslösung: FI wieder einschalten
  5. Nicht Auslösung = Sofort Elektrofachbetrieb!

⚠️ Der Testknopf testet nicht den Leitungsschutz! Nur die FI-Funktion.

Wann ist ein FI Pflicht?
Bereich FI-Pflicht
Steckdosen EG (Räume) ✅ Ja (seit 2018)
Steckdosen OG (Räume) ✅ Ja (seit 2018)
Außensteckdosen ✅ Ja (seit 2018)
Räume mit Badewanne/Dusche ✅ Ja (seit 2018)
Beleuchtung ❌ Nein
Stromkreise > 32A ⚠️ Je nach Anwendung
E-Herd, Heizung ❌ Nein (aber empfohlen)
IT-Anlagen ✅ Ja
FI vs. LS-Schutzschalter
FI (RCD) LS-Schutzschalter
Schutzziel Person Leitung/Gerät
Auslösestrom 30mA / 300mA / 30A 6A-63A
Reaktion Bei Fehlerstrom (zur Erde) Bei Überstrom/Überlast
Testknopf ✅ Ja (⏻) ❌ Nein
Häufige Fragen

Warum löst der FI ständig aus?

  • Feuchter Verbraucher (Waschmaschine, Pumpe)
  • Defekte Leitung oder Gerät
  • Zu viele LED-Beleuchtungen (Typ AC statt A/F)
  • Elektrofachbetrieb hinzuziehen!

Was ist der Unterschied zwischen FI und RCBO? Ein RCBO kombiniert FI und LS in einem Gerät (1-Modul-Lösung). Teurer, aber platzsparend.

Darf ich einen FI selbst einbauen? Nein. Das Inbetriebnehmen einer elektrischen Anlage ist nur Elektrofachkräften erlaubt.


Quellen: VDE 0100-410, VDE 0100-600, DIN EN 61008/61009

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